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Der Bremer Vulkan:
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Erst im Juli 1995 erkannte auch die Führung des Bremer Vulkans die desolate Lage des Konzerns. Ein Verlust von 27,4 Millionen DM allein für das erste Halbjahr 1995 ließ den Liquiditätsengpaß auch für Unternehmensexterne unübersehbar werden. Die Absatz- und Beschaffungsmärkte reagierten sofort: Lieferanten setzten immer kürzere Zahlungsziele. Kunden verlangten für die geleisteten Anzahlungen Sicherheiten.
Der Aufsichtsrat forderte nun auch personelle Konsequenzen. Auf Druck der Banken und des Bremer Senats mußte der Vorstandsvorsitzende, Dr. Friedrich Hennemann, im September 1995 zurücktreten. Seinem Nachfolger, Udo Wagner, präsentierte sich beim Amtsantritt im Februar 1996 ein gewaltiger Schuldenberg:
Noch im Monat seines Amtsantritts - also im Februar 1996 - trat Udo Wagner den Weg zum Konkursgericht an und stellte Vergleichsantrag. Da die Mindestquote von 35% für die Gläubigerbefriedigung nicht erreicht wurde, folgte im Mai 1996 der Antrag auf Anschlußkonkurs.
Dr. Jobst Wellensiek - als Konkursverwalter bis zuletzt an der Spitze des Bremer Vulkans - entschied sich für eine zeitweilige Unternehmensfortführung. Sein Ziel war es, die Werften an der Unterweser zu einem neuen (kleineren) Werftenverbund zusammenzuschließen und anschließend zu verkaufen. Die eigens dafür gegründete Beschäftigungsgesellschaft MyPegasus übernahm für einen Zeitraum von einem Jahr die verbliebenen 4.500 Mitarbeiter des Konzerns. Diese wurden anschließend an den Vulkan ausgeliehen, um die bestehenden Aufträge zu bearbeiten.
Gutachten ergaben jedoch, daß die angestrebten Rationalisierungsmaßnahmen das Produktivitätsdefizit des Bremer Vulkans nicht wesentlich ausgleichen konnten. Daher wurde im Dezember 1996 die endgültige Abwicklung des Unternehmens beschlossen. Mit der Auslieferung des letzten Containerschiffes am 15. August 1997 stellte die Werft an der Unterweser nach 104 Jahren ihren Betrieb ein.
Obwohl Wellensiek sein ehrgeiziges Ziel - die Unternehmensfortführung "in kleinem Stil" - nicht erreicht hat, erwirtschaftete er innerhalb von zwei Jahren noch fast zwei Milliarden DM - hauptsächlich aus dem Verkauf von Unternehmensteilen. Mit der Überweisung von 1,3 Milliarden DM an die beteiligten Banken im März 1998 konnte Wellensiek so zumindest die Hauptgläubiger befriedigen.
In der Rückschau lassen sich vielfältige Gründe für den Untergang des Bremer Vulkans nennen. Exemplarisch seien drei genannt:
Die Auswirkungen der Insolvenz des Bremer Vulkans waren auch jenseits der Bremer Stadtgrenzen zu spüren. Rund 9.000 Mitarbeiter verloren aufgrund des Konkurses ihren Arbeitsplatz. Der Kurs der Vulkan-Aktie sank von DM 80 im September 1995 auf DM 1,50 im Mai 1996. Die Fremdkapitalgeber mit ungesicherten Forderungen hatten nur wenig Hoffnung auf Aufgleich ihrer Forderungen, denn das Unternehmen war mit 1,3 Milliarden DM überschuldet. Bei Liquidation aller Aktiva wären zwar 1,1 Milliarden DM in die Kasse gekommen. Dem standen aber Sicherungsrechte in Höhe von 894 Millionen DM gegenüber. Es blieb somit eine freie Masse von 219 Millionen DM. Durch fällige Bürgschaften, Aufwendungen für die Auffanggesellschaft und die Privatisierung der Ostwerften entstanden dem Bund und dem Land Bremen erhebliche Zahlungsverpflichtungen. Branchenkenner schätzten diese finanziellen Lasten für den Steuerzahler auf rund 4 Milliarden DM.
Doch auch diese Krise hatte - neben destruktiven Wirkungen - zumindest eine konstruktive: Obwohl die Insolvenz der Muttergesellschaft die Zerschlagung des Konzerns bedeutete, konnten sich einige Tochtergesellschaften über einen Vergleich sanieren und mit neuen Kapitalgebern - zum Teil durchaus erfolgreich - am Markt positionieren.
Dipl.-Hdl. Jana Pröschold
Ehemalige Studentin an der Wirtschafts- und
Sozialwissenschaftlichen Fakultät der
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
E-Mail: jproeschold(at)gmx.de
Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
2. Jahrgang (1999), Ausgabe 7 (Juli)
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