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11. Jahrgang (2008) - Ausgabe 11 (November) - ISSN 1619-2389
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Insolvenzursachen und Erfolgsfaktoren
 einer Sanierung in der Insolvenz

von Dr. Volkhard Emmrich

Problemstellung

Der massive Anstieg der Insolvenzen in Deutschland auf zuletzt knapp 38.000 Fälle im Jahr 2002 und die anhaltend schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen lassen immer häufiger Fragen nach den Ursachen für Firmenzusammenbrüche und nach den Chancen für eine Unternehmenssanierung aufkommen. Wann ist eine Sanierung des Unternehmens aus der Insolvenz wirtschaftlich sinnvoll? Anhand welcher Faktoren kann vor einer Antragstellung auf das wahrscheinliche Ergebnis des Insolvenzverfahrens geschlossen werden? Wie lassen sich die insolvenzbedingten Ausfallquoten für Kreditinstitute und andere Gläubiger möglichst gering halten?

Zur Beantwortung dieser und anderer Fragen einer erfolgreichen Insolvenzverwaltung hat die Dr. Wieselhuber & Partner GmbH Unternehmensberatung aus München in Zusammenarbeit mit neun Insolvenzverwaltern 52 Insolvenzfälle einer detaillierten Untersuchung unterzogen. Im Mittelpunkt standen dabei u.a. die Ursachen der Insolvenz, die Insolvenz- bzw. Sanierungsziele bei Antragstellung und deren Zielerreichungsgrad nach Abschluss des Verfahrens sowie die Erfolgsfaktoren einer Sanierung und die Möglichkeit, diese Erfolgsfaktoren bereits vor der Insolvenz zu schaffen.

Untersuchungsdesign

Im Frühjahr 2003 wurden 52 Insolvenzfälle aus dem gesamten Bundesgebiet ausgewählt und einer Dokumentenanalyse unterzogen. Der Fokus lag dabei auf inhabergeführten Unternehmen bzw. Unternehmen mit starker Inhaberprägung. Die analysierten Mittelstandsbetriebe hatten einen Jahresumsatz von mindestens 15 Millionen Euro. Alle Insolvenzverfahren waren entweder abgeschlossen oder deren Verfahrensabschluss stand unmittelbar bevor. Der Dr. Wieselhuber & Partner GmbH bzw. den neun Insolvenzverwaltern lagen jeweils detaillierte Informationen über die Betriebsorganisation, die Führungs- und Gesellschafterstruktur sowie die Vermögens- und Ertragslage des Unternehmens vor der Insolvenz vor.

Die Branchenstruktur der Untersuchung entsprach weitgehend der Struktur der Insolvenzen in Deutschland. Mit 26 Prozent stellte der Handel die größte Gruppe. Elektronik- und IT-Unternehmen lagen mit 23 Prozent auf Platz 2. Maschinenbaubetriebe und Kfz-Zulieferer folgten mit 19 Prozent. Die restlichen 12 Prozent verteilten sich auf Logistik, Luftfahrt, Stahlindustrie und Medizintechnik. Bei der Rechtsform der insolventen Unternehmen dominierten die GmbH & Co. KG (39 Prozent) sowie die GmbH (35 Prozent). Börsennotierte Aktiengesellschaften stellten 14 Prozent der Insolvenzen. Hinsichtlich des zuletzt realisierten Jahresumsatzes kam jedes vierte Unternehmen aus der Größenklasse mit weniger als 25 Millionen Euro Jahresumsatz (25 Prozent). Demgegenüber erwirtschaftete nur jedes fünfte Unternehmen mehr als 150 Millionen Euro Jahresumsatz (19 Prozent).

Ergebnisse

Ursache für die Insolvenz waren fast durchweg nicht mehr finanzierbare operative Verluste, in deren Folge die Banken zusätzliche Mittel verweigert haben. In drei von vier Fällen steckten die Unternehmen in einer Kostenkrise. Sie hatten in ihrer Vergangenheit Strukturen aufgebaut, die nun in wirtschaftlich schlechteren Zeiten nicht mehr finanzierbar waren. Zudem war mehr als die Hälfte der Unternehmen überschuldet.

Die Mehrzahl der insolventen Unternehmen zeigten nachhaltige strategische Schwächen, die sich in der Geschäftsstruktur und der Marktposition widerspiegelten. Drei von fünf Unternehmen waren nur in einem Geschäftsfeld tätig und weniger als die Hälfte der Betriebe war im wesentlichen Geschäftsfeld auch Marktführer. Die insolvent gegangenen Unternehmen litten somit nicht an einer Verzettelung auf "Nebenkriegsschauplätzen", sondern vielmehr an Problemen im Hauptgeschäftsfeld.

In mehr als der Hälfte der Fälle führten Fehlentscheidungen von Gesellschaftern oder der Geschäftsführung geradewegs in die Insolvenz. Das operative Geschäft war nur bei rund einem Drittel der Unternehmen bereits eingebrochen. Knapp die Hälfte der Firmen verfügte beispielsweise noch über hohe Auftragsbestände.

Sanierungserschwerend wirkten meistens heterogene Banken- und Sicherheitenstrukturen. In der Regel haben die Kreditinstitute insbesondere die letzten Sanierungsbemühungen nicht mehr mitgetragen. Es verwundert daher nicht, dass bei jeder sechsten Insolvenz die Liquidation von Beginn an das primäre Ziel des Insolvenzverfahrens war.

Trotz guter Vorsätze beschloss die Gläubigerversammlung in der Hälfte der Fälle später eine Schließung des Unternehmens. Nur jedes sechste Unternehmen wurde fortgeführt. Die Belegschaften waren in hohem Maße von den Insolvenzen betroffen. In drei von vier Fällen musste ein breiter Personalabbau erfolgen. Nur in jedem viertem Fall wurde eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft gegründet.

Die Insolvenzverwalter waren vergleichsweise erfolgreich. Im Durchschnitt wurden gut die Hälfte des Umsatzes und knapp die Hälfte der Arbeitsplätze erhalten. Die Produktivität der fortgeführten Unternehmen bzw. Unternehmensteile war somit deutlich höher als vor der Insolvenz. Die dringend erforderliche Kostendeckung wurde insbesondere erzielt durch eine Veränderung der Wertschöpfungsstruktur, eine Anpassung des Produktprogramms und eine Optimierung der Standorte.

Das Insolvenzplanverfahren, die Eigenverwaltung und Interimsmanager spielten in der Insolvenz nur eine untergeordnete Rolle. War die Sanierung erfolgreich, so gelang diese durch Konzentration auf das gesunde Kerngeschäft, das Schließen von Verlustquellen und eine allgemeine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des ehemaligen Schieflageunternehmens.

Bezug

Die Langfassung der Studie "Insolvenzen in Deutschland: Insolvenzursachen und Erfolgsfaktoren einer Sanierung aus der Insolvenz" - mit einer ausführlichen Dokumentation der Untersuchungsergebnisse - wird auf Wunsch gegen eine Schutzgebühr von 100,00 € zugeschickt.

Autor

Dr. Volkhard Emmrich
- Geschäftsführer -
Dr. Wieselhuber & Partner GmbH
Königinstrasse 33
D-80539 München
Telefon: +49 (0)89 2 86 23 - 0
Telefax: +49 (0)89 2 86 23 - 260
Internet: www.wieselhuber.de
E-Mail: emmrich(at)wieselhuber.de

Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
6. Jahrgang (2003), Ausgabe 5 (Mai)


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