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15. Jahrgang (2012) - Ausgabe 2 (Februar) - ISSN 1619-2389
Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
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Operatives Krisenmanagement

von Dipl.-Kfm. Frank Roselieb

Mit Störfällen, Unternehmenskrisen und Katastrophen beschäftigt sich die Wissenschaft zumeist in retrospektiven Fallstudien. Um solche operativen Krisen auch jenseits des Einzelfalls in betrieblichen Risikomanagementsystemen nach dem Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) berücksichtigen zu können, bedarf es eines möglichst allgemein gehaltenen Erklärungsmodells.

Bereits in den 1990er Jahren wurden entsprechende Konzepte entwickelt und zum Teil auch empirisch geprüft. Volker Mayer setzt sich in seiner Dissertation an der Universität München das Ziel, diese Ansätze zu systematisieren und sie in den Kontext eines ganzheitlichen Risikomanagements einzuordnen.

  • Das erste Kapitel der Schrift führt in die Zielsetzung und Struktur der Arbeit ein. Kapitel zwei gibt einen Überblick über verschiedene Ansätze und Entwicklungstendenzen des Risk Managements und stellt alternative Systematisierungs- und Kategorisierungskonzepte für Risiken vor. Auf dieser gedanklichen Basis definiert der Autor Krisen als ungewollte Zustände einer Organisation, die durch ein sprunghaft angestiegenes Risiko gekennzeichnet sind.
  • Kapitel drei zerlegt das Gesamtphänomen "Krise" in einzelne Teilkrisen. Diese stehen ihrerseits mit jeweils einem Unternehmensziel in Verbindung und werden hinsichtlich ihrer Ursache-Wirkungs-Beziehungen analysiert. Hieraus leitet der Verfasser exemplarische Handlungsoptionen für das Krisenmanagement ab und führt eine begriffliche Unterscheidung zwischen Stör- und Notfällen einerseits sowie strategischen und operativen Krisen andererseits ein.
  • Auf der Suche nach Anregungen für ein eigenes Krisenmanagementsystem gibt der Autor im vierten Kapitel einen Überblick über verschiedene theoretisch-wissenschaftliche und pragmatisch-anwendungsorientierte Arbeiten zum Krisenmanagement. Betrachtet werden dabei ausgewählte Texte aus der Betriebswirtschaftslehre, Soziologie und Kommunikationswissenschaft sowie verschiedene, überwiegend englischsprachige Schriften zum Risk, Crisis und Business Continuity Management. Ansätze zur Kategorisierung von Unternehmenskrisen sowie Hinweise auf empirische Arbeiten zum Themengebiet beschließen das Kapitel.
  • Sein modulares System zum Krisenmanagement fixiert der Autor im fünften Kapitel. Diskutiert werden Arten, Ziele, Prozess und Organisation des Krisenmanagements. Im Ergebnis entsteht eine Matrix, die der jeweiligen Situation des Unternehmens (Normalzustand, Schadensfall, Krise etc.) das jeweils maßgebliche Phänomen (Risiko, originäre Teilkrise oder derivate Teilkrise) sowie die jeweils notwendige Art des Managements (Risikomanagement, Schadensmanagement oder Krisenmanagement) zuordnet.
  • Im sechsten Kapitel stellt Mayer einzelne Methoden des antizipativen Krisenmanagements vor - von der Projektinitiierung über Betriebsunterbrechungsanalysen bis zu Krisenübungen. Das abschließende siebente Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit in drei Kernthesen zusammen. Ein Anhang mit 21 Abbildungen und Tabellen, ein Literaturverzeichnis mit 312 Quellen sowie ein Autoren- und Stichwortverzeichnis beschließen die Arbeit.

Insgesamt bietet die Schrift von Mayer einen schlaglichtartigen Überblick über ausgewählte Texte zum operativen Krisenmanagement. Sie sei daher denjenigen Praktikern und Wissenschaftlern zur Lektüre empfohlen, die sich einen schnellen Zugang zur betriebswirtschaftlichen, soziologischen und kommunikationswissenschaftlichen Krisenliteratur verschaffen möchten. Fachlich überzeugt die Arbeit allerdings nicht. Einerseits wird Mayer seinem im Klappentext gesetzten Ziel einer Einordnung des Krisenmanagements in das ganzheitliche Risikomanagement nicht gerecht, denn Ausführungen zu Risikomanagementsystemen - insbesondere nach KonTraG - sind nur sehr schemenhaft vorhanden. Andererseits fehlt es der Arbeit an einer erkennbaren Systematik und Prüfstruktur. Ob der Autor seinen anderen Zielen - beispielsweise "eine dynamische Betrachtung und Modellierung der Risiken (...) auch bei veränderten Rahmenbedingungen (...) zu gewährleisten" - tatsächlich gerecht wird, bleibt daher nebulös.

Volker Mayer,
Operatives Krisenmanagement:
Grundlagen, Methoden und Werkzeuge
des ganzheitlichen Risk Management,
Deutscher Universitäts-Verlag
Wiesbaden, 2003,
228 Seiten, EUR 49.90,
ISBN 3-8244-9096-X

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Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
6. Jahrgang (2003), Ausgabe 8 (August)


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schriftlicher Genehmigung des Krisennavigator - Institut für Krisenforschung, Kiel.
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