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15. Jahrgang (2012) - Ausgabe 2 (Februar) - ISSN 1619-2389
Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Krisennavigator
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Krisenbewältigung in jungen Unternehmen

von Dipl.-Kfm. Frank Roselieb

Rund 1,6 Millionen Deutsche wagten 2003 den Sprung in die Selbstständigkeit, etwa 93.000 davon als sogenannte "Ich-AG" (Quelle: www.kfw.de). Im gleichen Zeitraum mussten über 39.000 Unternehmen und mehr als 61.000 "übrige Schuldner" Insolvenz anmelden. Unter diesen waren auch knapp 22.000 ehemals Selbstständige und mehr als 3.700 ehemalige Gesellschafter von Unternehmen, die die Pleite ihres Betriebes auch privat in den Ruin getrieben hat (Quelle: www.destatis.de).

Gerade für diese Zielgruppe hat Gerhard Gieschen sein "Überlebenshandbuch für Selbstständige und Jungunternehmer" geschrieben. Auf 238 Seiten vermittelt der Unternehmensberater aus Kirchentellinsfurt bei Tübingen grundlegende Kenntnisse zur Krisenprävention und Krisenbewältigung in Kleinbetrieben. Er stellt verschiedene, schnell greifende Instrumente vor, mit denen Einzelunternehmer und Geschäftsführer das Überleben ihres Betriebes bei sich abzeichnenden oder akuten Unternehmenskrisen möglicherweise doch noch sichern können.

  • Im ersten Abschnitt führt Gieschen in die Methodik seines Handbuchs ein. Er verdeutlicht, wie der "Geist der Gründung" zunächst wie ein Dopingmittel wirkt, und dass Krisenmanagement eine durchaus erlernbare Fähigkeit ist. Seiner Meinung nach verschiebt aktives Krisenmanagement die Balance zwischen Risiko und Chance zugunsten des Unternehmens. Krisenmanagement besteht dabei aus vier Komponenten: Präventives Risikomanagement, effiziente Frühwarnung, einem "Werkzeugkasten" zur Bewältigung akuter Unternehmenskrisen und aktivem Zukunftsmanagement.
  • Der zweite Abschnitt widmet sich der frühzeitigen Erkennung von Krisen. In einem "Test" kann der Leser zunächst prüfen, ob in seinem Betrieb drohende Krisen zeitnah identifiziert werden und wie es um die aktuelle Geschäftsentwicklung der Firma bestellt ist. Auf den folgenden Seiten erläutert Gieschen die zeitliche Abfolge von betrieblichen Krisen - von der Strategiekrise über die Ertragskrise bis hin zur Existenzkrise - und stellt mit dem strategischen und operativen Radar zwei vergleichsweise einfach zu handhabende betriebliche Frühwarnsysteme vor. In drei Schritten führt der Autor anschließend in die Implementierung von Frühwarnsystemen in der Praxis ein: Nach der Aufstellung einer Ziel-Pyramide folgt die Festlegung von Kennzahlen und Indikatoren zu Finanzkraft und Markterfolg, Betriebsergebnis und Produktivität sowie schließlich die Einschaltung eines "Autopiloten" für das Tagesgeschäft. Letzterer überprüft im Wochen-, Monats- und Jahresrhythmus die Zielerreichung und ermöglicht damit rechtzeitige Kurskorrekturen.
  • Abschnitt drei vermittelt Existenzgründern und jungen Unternehmern das nötige Rüstzeug zur Bewältigung bereits eingetretener, akuter Krisen. Nach den obligatorischen "Tests" zur persönlichen Eignung des Unternehmers als Krisenmanager und zur Art der Krise widmet sich der Autor den Grundlagen erfolgreichen Krisenmanagements. Der Leser erfährt, wie er seine persönliche und finanzielle Handlungsfreiheit als Unternehmer - beispielsweise durch den Aufbau privater Reserven oder durch die Zusammenarbeit mit mehreren Banken - sichern kann, wer in ein schlagkräftiges "Survival-Team" für das Not leidende Unternehmen rekrutiert werden sollte und warum ein proaktives Informations- und Kommunikationsmanagement gegenüber Banken, Geschäftspartnern, Medien und Mitarbeitern in Krisenzeiten wichtig ist. Hilfsmittel zur Analyse der aktuellen Unternehmenssituation stellt das nächste Kapitel bereit. Ausführlich beschrieben werden die Voraussetzungen für einen Insolvenzantrag, verschiedene Typen von Unternehmern, Unternehmen und Geschäftssituationen sowie praxisnahe Kriterien zur Analyse von Stärken und Schwächen des Betriebes, zur strategischen Marktausrichtung und zur persönlichen Lebenssituation des Unternehmers. Ob der Not leidende Betrieb saniert oder doch besser liquidiert werden sollte, erläutert Gieschen im abschließenden Kapitel dieses Abschnittes. Der Autor nennt Kriterien zur Beurteilung von Sanierungsbedarf, Sanierungsfähigkeit und Sanierungswürdigkeit des Unternehmens und gibt Tipps zur Aufstellung eines Turnaroundplans.
  • Die Zusammenstellung eines betrieblichen Überlebensprogramms ist Gegenstand des vierten Abschnitts. Der Autor gliedert seinen "Werkzeugkasten" aus Anregungen und Hilfsmitteln in fünf strategische Handlungsfelder: Sofort Liquidität gewinnen, gezielt Kosten senken, die Ertragsorientierung stärken, frisches Kapital zuführen sowie Mergers & Acquisitions prüfen. Diese Aktivitätsbereiche sind zeitlich priorisiert und sollten - so der Autor - zwischen 72 Stunden nach Krisenausbruch (Start des Überlebensprogramms) und neun Monaten (Abschluss der strategischen Neuausrichtung) realisiert werden. Das Spektrum der Empfehlungen reicht vom Abbestellen sämtlicher Zeitungsabonnements über die Nutzung von Investitionskrediten bis hin zum Verkauf (noch) profitabler "Cash Cows", um damit die (möglicherweise) kommenden "Stars" des Unternehmens zu finanzieren. Scheitern diese Strategien, so enthält das nächste Kapitel Hinweise, um eine drohende Zahlungsunfähigkeit oder bevorstehende Überschuldung des Betriebes doch noch abzuwenden. Auch die "Risiken und Nebenwirkungen" einer insolvenznahen Sanierung verschweigt der Autor nicht. Diese reichen von den Straftatbeständen der Gläubiger- und Schuldnerbegünstigung über die Insolvenzverschleppung und den Bankrott bis hin zur persönlichen Haftung des Unternehmers - beispielsweise bei Nichtabführung der Sozialversicherungsabgaben seiner Mitarbeiter.
  • Abschnitt fünf widmet sich der Zeit nach der Krise. Vorgestellt werden Strategien zum betrieblichen Risikomanagement durch eine regelmäßige Risikoinventur, die Anwendung von Szenariotechniken und Versicherungslösungen für existenzielle Risiken. Zukunftsfähige Strukturen im Betrieb können - so der Autor - unter Umständen auch durch eine Umwandlung der Gesellschaftsform sowie durch Aufspaltung des Unternehmens in eine Vermögens- und eine Betriebsgesellschaft geschaffen werden. Im privaten Bereich empfiehlt Gieschen, einen Ehevertrag abzuschließen und frühzeitig das eigene Testament aufzustellen. Der gut fünfseitige Anhang des Buchs enthält die Anschriften von krisennahen Informations- und Beratungsstellen, Internet-Adressen, Zeitschriften und weiterführende Literatur.

Ob Unternehmer tatsächlich "die Helden des 21. Jahrhunderts" sind, wie der Autor seinen Lesern bereits im Vorwort glauben machen möchte, sei dahin gestellt. Gleichwohl ist Gerhard Gieschen ein gut lesbarer und trotzdem ausführlicher Leitfaden zur insolenznahen Krisenprävention und Krisenbewältigung in Kleinbetrieben gelungen. Die kompakten Textzusammenfassungen am Seitenrand und die Checklisten am Ende der einzelnen Abschnitte ermöglichen gerade dem eiligen Leser in Krisenzeiten einen schnellen Überblick über alle wesentlichen Aspekte des operativen und strategischen Krisenmanagements. Geschäftsführer von Kleinbetrieben und Einzelunternehmer mit langen Arbeitstagen und wenig Zeit für eine fundierte Krisenvorsorge werden ihren Nutzen aus dem "Überlebenshandbuch" ziehen können.

Gerhard Gieschen,
Wie junge Unternehmen Krisen bewältigen können,
Überlebenshandbuch für Selbstständige
und Jungunternehmer,
Cornelsen Verlag,
Berlin, 2003,
238 Seiten, EUR 25.00,
ISBN 3-464-49200-1

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Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
7. Jahrgang (2004), Ausgabe 1 (Januar)


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schriftlicher Genehmigung des Krisennavigator - Institut für Krisenforschung, Kiel.
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